Date: Wed 22 May 2019

The Making of Golf- und Country Club Seddiner See

Die Entstehungsgeschichte einer Golfanlage von der ersten Idee bis zur Einweihung erinnert mich häufig an eine Filmproduktion, bei der am Ende unter Beifall das Machwerk bei einer Premiere dem staunenden Publikum vorgestellt wird.

The Making of Seddiner See

The Making of Seddiner See

Und das Drehbuch versucht den mühseligen Weg dahin zu beschreiben, bei dem der Planungs- und Genehmigungsprozess eine entscheidende Rolle spielt. Genau wie beim Film gibt es eine Idee, die von Producern, Regisseuren und ihrem Assistenten, dem Produktionsteam und nicht zu vergessen den Schauspielern diskutiert, zerrissen, auf das Machbare reduziert und gegen alle Widerstände realisiert wird. Denn es gibt ja noch die Geldgeber und die Aufsichtsbehörden, die alle ein gewichtiges Wörtchen mit reden wollen.

So auch beim „Making of …“ - wie man so treffend auf Denglisch sagt - des Golf- und Country Club Seddiner See.

Und der Arbeitstitel – zumindest in unserem Büro - war „9033“, mit dem das Jahr 1990 dokumentiert wird, in dem im August erstmalig mit uns die Idee diskutiert worden ist.

Wie beim Film muss man sich frühzeitig Gedanken um den Standort der „Außenaufnahmen“ machen und nach der Besichtigung verschiedener Standorte in Brandenburg fanden die Initiatoren um Ferdinand Fürst von Bismarck, Wilhelm Belchner und Nicolai Siddig ein Stück märkische Landschaft, das sich durch eine einmalig günstige Lage zu Berlin und seine großzügigen Dimensionen und Zuschnitt auszeichnete. Bereits im September 1990 gab es eine gemeinsame Ortsbesichtigung mit Prof. Dr. H. Kenneweg von der TH Berlin, Fachbereich 14, Landschaftsentwicklung, Verfasser einer Gesamtuntersuchung des Großraumes Seddiner See, die sich mit Entwicklungskonzepten für den ländlichen Raum im Berliner Umland befasste. Diese Studie bescheinigte die Eignung des Gebietes am nördlichen Seeufer in der Gemeinde Wildenbruch als Standort für ein „landschafts- und siedlungs-orientiertes Großvorhaben“.

Existing Situation 1990

Existing Situation 1990

Der Standort mit seinen 240 ha verlangte schon eine ganze Portion Phantasie, um sich bei der wenig bewegten, überwiegend ausgeräumten Agrarlandschaft und dem Gelände einer stillgelegten Gärtnerei die blühenden Landschaften eines ambitionierten Golfresorts vorstellen zu können, wie wir sie heute hier antreffen.

Aber die Kulisse durch den Waldbestand im Westen und Norden und den Uferstreifen des Seddiner Sees mit seinem Gehölz- und Schilfsaum sowie die wenigen Wäldchen im Gelände, die sich wohltuend als Blickfänger und potenzielle Kulisse anboten, versprachen dem geschulten Auge bereits bei der Besichtigung interessante Ansätze für die sich immer stärker verdichtende Aufgabe.

Natürlich hatten die Initiatoren, unsere Auftraggeber, klare Vorstellungen über das was sie vor Ort realisieren wollten. Das versprach schon das Motto „Good Sports – good Living“ und das Programm, das auf die zu dem Zeitpunkt im Hinblick auf die Hauptstadtrolle Berlins deutliche Unterversorgung an qualitativ hochwertigen Siedlungsflächen und Anlagen für Freizeit und Erholung abzielte. Das galt erst Recht im Hinblick auf Golfspielmöglichkeiten, da vor der Wende die meisten Berliner Golfspieler auf grenznahe Golfplätze in den alten Bundesländern ausweichen mussten und von den vielen Investoreninitiativen nach einer Sturm- und Drangphase nur noch wenige Projekte (von über 70 Raumordnungsverfahren) übrig blieben.

Das ambitionierte Drehbuch – wenn wir mal wieder den Bogen zur Filmproduktion schlagen wollen, sah vor eine Villen- und Golfanlage zu inszenieren, die Maßstäbe in der städtebaulichen und landschaftsplanerischen Entwicklung der brandenburgischen Landschaft für Freizeit und Wohnen aus einem Guss setzen sollte.
Allein die Vorgaben zu diesem Zeitpunkt sprechen für sich

  • 240 ha Gesamtfläche auf ehemaligen Ackerstandorten
  • ca. 200 Villengrundstücke und 100 Eigentumswohnungen
  • ein Hotel mit 200 Zimmern
  • großzügiger Clubhauskomplex mit weiteren Appartements
  • zwei 18 Löcher Meisterschaftsgolfplätze
  • umfangreiche Trainingsmöglichkeiten mit überdachten aufwendig gestalteten Abschlagsplätzen und einem Trainingsplatz fürs kurze Spiel.
Detail of the North Course

Detail of the North Course

Da diese Aufgabe nur von einem erfahrenen Planerteam bewältigt werden konnte, wurde unter der Leitung meines Büros, zum dem Zeitpunkt noch Deutsche Golf Consult, ein Planungsteam aus Stadtplanern, Architekten und Ingenieuren zusammengestellt, das gemeinsam den Verfahrensverlauf begleitete.

Neben der Tätigkeit als Golfplatzarchitekt, mit der ich als Planer des Nordplatzes und der Übungsanlagen am ehesten identifiziert werde, war ich mit den Mitarbeitern meines Büros für die Organisation des Genehmigungsprozesses genauso verantwortlich wie für alle Fragen und Gutachten, die sich mit den landesplanerischen und den landschaftsrechtlichen Fragen auseinander zu setzen hatten.
Trotz weitest gehender Unterstützung durch die Behörden, insb. durch die Gemeinde Wildenbruch, für die alle das Thema Golf und Wohnen in der freien Landschaft überwiegend Neuland war, hat es mehr als 3 Jahre von der Eröffnung des Raumordnungsverfahrens bis zur Baugenehmigung für die Golfplätze gebraucht.

Dabei waren entsprechend der brandenburgischen Planungs- und Genehmigungsstruktur folgende Genehmigungsverfahren erforderlich:

  • Durchführung eines Raumordnungsverfahrens mit Umwelterheblichkeitsprüfung, da es sich um ein Vorhaben von überörtlicher Raumbedeutsamkeit handelt,
  • Aufstellen des Flächennutzungsplanes mit landschaftspflegerischem Begleitplan,
  • Aufstellen eines Bebauungsplanes mit Grünordnungsplan,
  • Durchführung eines wasserrechtlichen Verfahrens,
  • Bauantragsverfahren für beide Golfplätze, das Clubhaus und den Pflegehof.

Als Auflage der Baugenehmigung musste von unserem Büro ein Biotopentwicklungs- und Pflegeplan erstellt werden. Dieser bildete gemeinsam mit dem landschaftspflegerischen Begleitplan die Grundlage die anerkannte Biotopqualität und landschaftliche Einbindung der Golfplätze des GCC Seddiner See.

Practice Area

Practice Area

Probleme bereitete in allen Verfahrensebenen der Wunsch der Investoren, die Golfplätze mit Wohnen zu kombinieren. Unabhängig von dem nachweislichen Bedarf an hochwertigen Grundstücken für den individuellen Wohnungsbau wurde der Standort mit dem Argument „Zersiedelung der Landschaft“ immer wieder in Frage gestellt.

Das schlagende Argument für die Realisierung des Baugebietes, wie wir es heute vorfinden, war schließlich, dass mit dem Vorhaben die nördlich und südlich gelegenen Datschengebiete, ein Relikt aus der DDR Ära, die sich stetig von einer temporären Erholungsnutzung zu Dauerwohnstandorten entwickelten, verknüpft und somit langfristig Ansätze für eine Sanierung dieser Bereiche initiiert werden konnten.

Der einzige Nachteil dieses geschlossenen Baugebietes lag sicherlich darin, dass zu wenige Grundstücke mit direktem Bezug zu den Golfplätzen erschlossen werden konnten.
Ein weiteres Hineinziehen von Grundstücken in die Golfplätze wäre jedoch wegen des Aspekts der Besiedlung der Landschaft nicht genehmigungsfähig gewesen.

Fast filmreif war auch die „Ergänzung des Planerteams“ um einen weiteren Golfplatzarchitekten.
Aus Vermarktungsgründen und um auf dem internationalen Parkett konkurrenzfähig zu sein, wurde eine Aufgabenteilung bei der Gestaltung der Golfplätze diskutiert, um den interessierten Golfspielern die Chance zu geben, sich an zwei Golfpolätzen nach unterschiedlichen Designkriterien zu messen.

Inspiriert durch eine gemeinsame Reise nach Wisley entschieden sich die Bauherrn, als Architekten für den mehr seeorientierten Südcourse den amerikanischen Kollegen Robert Trend Jones jr. zu beauftragen, wobei die golf- und landschafts-architektonische Planung und Realisierung des Nordplatzes mit allen Übungseinrichtungen weiterhin in meiner Verantwortung blieb.

“from left to right: Wilhelm Belchner, Ferdinand Fürst von Bismarck, Robert Trent Jones jr., Richard Wax, Rainer Preissmann, Nicolai A. Siddig.

“from left to right: Wilhelm Belchner, Ferdinand Fürst von Bismarck, Robert Trent Jones jr., Richard Wax, Rainer Preissmann, Nicolai A. Siddig.

Nach anfänglicher Zickerei - wie man es am Filmset auch von einer „Diva“ erwarten würde – und einigen ernsthaften Gesprächen mit Fürst Ferdinand von Bismarck, wurde das Ziel dann gemeinsam kollegial angegangen und wir haben auch weiterhin für den Südplatz die genehmigungsrechtlichen Fragen mit bearbeitet.
Aber es war nicht so ganz einfach, einen Teil der Planungsaufgabe abzugeben – und dann noch den landschaftlich interessanteren Teil mit Bezug zum Seddiner See. Aber die Aufgabe, unter etwas beengteren Verhältnissen auf der Clubhausseite den Nordplatz und alle Übungseinrichtungen unterbringen zu müssen, war nicht weniger reizvoll.

Die Zusammenarbeit vor Ort lief hervorragend – auch wenn es in der Sache manchmal stramme Auseinandersetzungen gab wie bspw. in dem Fall wo das Team von RTJ jr. gegen unsere fachlich fundierte Haltung versuchte, auch die Gräserauswahl auf dem Nordplatz adäquat zum Südplatz zu beeinflussen und wir uns mit unseren standortorientierten Grasmischungen durchsetzen konnten – was jetzt dem Nordplatz bei den sich verschärfenden Klimaeinflüssen nur zu Gute kommt.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen und sowohl der Mitglieder orientierte Nordplatz als auch der Südplatz in Championship Qualität haben ihre Liebhaber und die Entscheidung für zwei Golfplatzarchitekten mit völlig unterschiedlichen Ansätzen bei der Gestaltung ihrer Golfanlage war mehr als richtig.

Und noch ein Gutes hatte der Ausflug nach Wisley.
Die Besetzung einer der wichtigsten Rollen konnte dort vorbereitet werden und mit Dave Duke wurde einer der besten Course Manager eingeworben, die ich in meiner bisherigen Laufbahn kennen gelernt habe.

Rainer Preissmann talking with Dave Duke

Rainer Preissmann talking with Dave Duke

Neben seiner Kompetenz, was das Pflegemanagement anbelangt, ist Dave mit Leib und Seele Natur- und Umweltschützer und setzt gemeinsam mit Horst Schubert Zeichen im Umgang mit den umwelt- und naturhaushaltlichen Belange im Spannungsfeld der Organisation einer Golfanlage im Hinblick auf die unterschiedlichsten golfsportlichen Ansprüche der Mitglieder und Gäste.

Nach 25 Jahren dürfte es jetzt wohl an der Zeit sein, einen neuen Filmtitel zu wählen und mein Vorschlag lautet:
„GCC Seddiner See – eine Erfolgsgeschichte“

Und allen immer einen fantastischen Score!!

Rainer Preissmann
Golf- und Landschaftsarchitekt
Past President EIGCA
Deutsche Golf Holding Ltd Essen

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